Wie entsteht der Venustransit?

Zunächst einmal klingt alles ganz einfach: die Venus schiebt sich zwischen Erde und Sonne. Doch bei näherem Hinsehen handelt es sich um einen sehr komplexen Vorgang. Genauso wie die Erde dreht sich auch die Venus annähernd auf einer Kreisbahn um die Sonne. Ihre Kreisbahn ist der Sonne jedoch näher als die der Erde und das zwingt die Venus dazu, die Sonne schneller zu umrunden. Während die Erde bekanntermassen für eine Sonnenumrundung 365 Tage benötigt braucht die Venus nur 224 Tage. Sie läuft der Erde damit davon.

Nachdem die Venus die Sonne einmal umrundet hat kommt sie wieder von von hinten an die Erde heran und holt die langsamere Erde so nach 584 Tagen erneut ein und überholt diese. Nur während einem solchen Überholvorgang, der in der Fachsprache „untere Konjunktion“ genannt wird, befinden sich Erde und Venus scheinbar auf gleicher Höhe mit der Sonne (Abb.1). Und so könnte es frühestens alle 584 Tage zu einem Venustransit kommen. Dennoch geschieht das Ereignis viel seltener.

Wenn man unser Sonnensystem von der Seite betrachtet wird der Grund dafür schnell klar. Die Kreisbahnen, auf denen Venus und Erde laufen, stehen im Raum um 3,4° zueinander geneigt (Abb.2). Findet der Überholvorgang an einem ungünstigen Standpunkt der Planeten statt, dann ist die Venus zu hoch oder zu niedrig, um direkt zwischen Erde und Sonne zu geraten. Von der Erde aus betrachtet steht die Venus dann beim Blick zur Sonne knapp über oder knapp unter der Sonne.

Nur dann, wenn der Überholvorgang nahe einem Knotenpunkt der beiden Planetenbahnen stattfindet, stehen Erde, Venus und Sonne tatsächlich in einer Linie im Raum. Und nur dann kommt es zu einem Venustransit (Abb. 3), wie wir ihn am 08. Juni beobachten können.